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Autor
Eloisa Back
Lesedauer
8 Minuten

Nutzen Sie ungenutzte vertikale Flächen effizient und verleihen Sie Ihrem Zuhause ein modernes, nachhaltiges Design.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Photovoltaik Fassade nutzt die Hauswand zur Stromerzeugung und ist ideal, wenn das Dach keinen Platz mehr bietet.
  • Besonders im Winter punkten senkrechte Solarmodule, da die tief stehende Sonne optimal eingefangen wird.
  • Man unterscheidet zwischen Kaltfassaden (vor der Wand montiert) und Warmfassaden (direkt in die Gebäudehülle integriert).
  • Die Kosten sind meist höher als bei einer klassischen Aufdachanlage, dafür sparen Sie bei Neubauten oft herkömmliches Baumaterial.
     

Was genau ist eine Photovoltaik Fassade?

Bei einer Photovoltaik Fassade werden die Solarmodule nicht auf dem Dach, sondern senkrecht an der Außenwand des Gebäudes montiert. Diese Technik wird auch als gebäudeintegrierte Photovoltaik oder BIPV (Building-Integrated Photovoltaics) bezeichnet. Sie funktioniert technisch genauso wie eine herkömmliche Solaranlage: Der erzeugte Gleichstrom wird durch einen Wechselrichter in nutzbaren Wechselstrom umgewandelt. So können Sie Ihre eigenen vier Wände direkt mit sauberem Sonnenstrom versorgen. Diese Lösung bietet sich besonders an, wenn Ihr Dach bereits voll belegt ist oder sich aufgrund der Ausrichtung nicht für Solarpanels eignet. Technologisch kommen dabei meist zwei Varianten zum Einsatz: Klassische kristalline Solarmodule überzeugen durch einen hohen Wirkungsgrad und eignen sich für starre Konstruktionen. Dünnschichtmodule hingegen sind flexibler und liefern selbst bei diffusem Licht verlässliche Erträge, was sie für architektonisch anspruchsvolle Fassaden attraktiv macht.

 Photovoltaik Fassade
Photovoltaik Fassade

Photovoltaik Fassade: Die Vorteile im Überblick

Die Nutzung der Hauswand für Solarstrom bringt spannende Pluspunkte mit sich. Der größte Vorteil zeigt sich in der kalten Jahreszeit. Im Winter steht die Sonne deutlich tiefer am Himmel. Senkrecht montierte Module fangen diese flachen Sonnenstrahlen viel besser ein als flache Dachanlagen, was für einen stabilen Ertrag an Winterstrom sorgt. Zudem bleibt auf senkrechten Flächen kein Schnee liegen. Neben der reinen Stromerzeugung bietet die Solarfassade handfeste bauphysikalische Mehrwerte: Die vorgesetzten Module fungieren als zusätzlicher Schallschutz und verbessern die Wärmedämmung des Gebäudes. Im Sommer entsteht ein willkommener Kühleffekt, da die direkte Sonneneinstrahlung von der eigentlichen Hauswand ferngehalten wird. Ein weiterer Pluspunkt ist die Optik. Moderne Solarmodule fügen sich nahtlos in die Architektur ein und verleihen dem Gebäude einen eleganten, futuristischen Look. Bei einem Neubau können die Module sogar klassische Fassadenelemente ersetzen, was wiederum Materialkosten spart.
 

Gibt es Nachteile bei senkrechten Solarmodulen?

Trotz der vielen Vorzüge gibt es bei der Photovoltaik Fassade auch physikalische und wirtschaftliche Herausforderungen. Der Gesamtertrag über das Jahr gesehen ist im Vergleich zu einer optimal ausgerichteten Dachanlage um etwa 20 bis 30 Prozent geringer. Während eine klassische Aufdachanlage im Branchendurchschnitt zwischen 900 und 1.200 Kilowattstunden pro Kilowatt Peak (kWh/kWp) liefert, rechnet man bei einer Fassadenanlage mit realistischen Werten von 500 bis 800 kWh/kWp. Das liegt an der senkrechten Position und dem 90-Grad-Einfallswinkel. Um hier wirtschaftlich zu arbeiten, ist eine exakte Südausrichtung der Fassade weitaus kritischer als bei einem Dach. Auch das Thema Verschattung spielt eine große Rolle. Bäume, Nachbargebäude oder Vordächer werfen oft Schatten auf die Wände, was die Leistung der Anlage spürbar mindert. Zudem ist die Photovoltaik Montage aufwendiger und teurer. Bei Bestandsgebäuden kann eine Nachrüstung kompliziert sein, besonders wenn die bestehende Wärmedämmung nicht beschädigt werden darf.

Kaltfassade oder Warmfassade: Welche Bauweise eignet sich?

Kaltfassade

Bei der Kaltfassade werden die Solarmodule mit etwas Abstand vor die eigentliche Hauswand montiert. Die Luft kann dahinter frei zirkulieren. Diese Hinterlüftung ist bauphysikalisch entscheidend, da sie die Module kühlt und so einen Abfall des Wirkungsgrads an heißen Tagen verhindert. Diese Variante eignet sich hervorragend zur Nachrüstung an bestehenden Häusern.

Warmfassade

Bei der Warmfassade werden die Solarmodule direkt in die Gebäudehülle integriert. Sie übernehmen dabei die Funktion der klassischen Außenwand und bieten gleichzeitig Schutz vor Wind und Wetter. Diese Lösung ist optisch besonders ansprechend und wird vor allem bei modernen Neubauten eingesetzt.

Mit welchen Kosten müssen Sie bei einer Solarfassade rechnen?

 

Individuelle Faktoren: Was den Preis bestimmt
Pauschale Preise lassen sich schwer nennen. Die Kosten einer Photovoltaik-Fassade hängen von individuellen Faktoren ab: der gewählten Modultechnik, der Art der Montage und der Anlagengröße.

Aufwand der Montage: Mehr als nur eine Dachmontage
Die Installation an der Wand ist aufwendiger als auf dem Dach. Sie erfordert spezielle Halterungssysteme und in der Regel auch ein Gerüst – beides wirkt sich direkt auf die Gesamtkosten aus.

Marktwerte im Überblick: Richtgrößen pro Quadratmeter
Für eine vorgehängte Kaltfassade liegen die spezifischen Preise meist zwischen 300 und 600 Euro pro Quadratmeter. Eine bauintegrierte Warmfassade mit höchstem architektonischem Anspruch kann bis zu 1.000 Euro pro Quadratmeter erreichen.

Wirtschaftlichkeit im Neubau: Wo sich die Investition relativiert
Da der Ertrag an der Fassade geringer ausfällt, ist für die gleiche Strommenge mehr Modulfläche nötig. Im Neubau relativiert sich die Investition jedoch spürbar – denn Ausgaben für klassische Fassadenmaterialien wie Putz oder Klinker entfallen.

PV-Fassade mit Stromspeicher

Lohnt sich die Kombination mit einem Stromspeicher?

Die Kombination einer Photovoltaik Fassade mit einem modernen Stromspeicher ist äußerst sinnvoll. Da die senkrechten Module besonders morgens, abends und im Winter viel Strom liefern, passt das Erzeugungsprofil oft exakt zum typischen Verbrauch eines Haushalts. Ein Stromspeicher fängt überschüssige Energie auf, die Sie tagsüber nicht direkt verbrauchen. So steht Ihnen der saubere Solarstrom auch in den Abendstunden oder nachts zur Verfügung. Das erhöht Ihren Eigenverbrauch massiv und macht Sie noch unabhängiger von steigenden Strompreisen. Mit uns setzen Sie auf höchste Qualität und nachhaltige Lösungen, die ganz auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt sind.
 

Baugenehmigung und Planung: Darauf müssen Sie achten

Bevor Sie mit der Installation einer Photovoltaik Fassade starten, sollten Sie sich zwingend über die rechtlichen und baulichen Rahmenbedingungen informieren. Im Gegensatz zu Dachanlagen ist für Solarmodule an der Fassade in vielen Bundesländern eine Baugenehmigung erforderlich. Das gilt besonders, wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht oder das optische Erscheinungsbild der Nachbarschaft stark verändert wird. Ein zentraler Aspekt ist die Sicherheit im öffentlichen Raum: Sobald Module vertikal verbaut werden und Personenverkehr darunter stattfindet, greifen strenge Vorgaben. Die verwendeten Gläser benötigen in der Regel eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ). Abhängig von der Montagehöhe und Neigung gelten die Module baurechtlich oft als Überkopfverglasung, weshalb ein integrierter Splitterschutz zwingend vorgeschrieben ist, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen. Auch Brandschutzvorschriften müssen strikt eingehalten werden. Ziehen Sie daher frühzeitig einen Experten zurate. Ein Fachmann prüft die Statik Ihrer Hauswand, analysiert mögliche Verschattungen und hilft Ihnen bei den behördlichen Anträgen. Bitte beachten Sie, dass die BSH aktuell keine Photovoltaik-Fassaden-Anlagen anbietet.

Oft gestellte Fragen (FAQ)

Die Solarmodule werden mithilfe spezieller Unterkonstruktionen senkrecht an der Außenwand befestigt. Bei einer Kaltfassade geschieht dies mit Abstand zur Wand für eine optimale Hinterlüftung. Bei einer Warmfassade werden die Module direkt als Teil der Gebäudehülle integriert.

Über das gesamte Jahr betrachtet liefert eine Solarfassade etwa 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag als eine optimal geneigte Dachanlage. Dafür produziert sie in den Wintermonaten und bei tief stehender Sonne oft mehr Strom als flach montierte Module.

Ja, eine Nachrüstung ist grundsätzlich möglich. Hierfür wird meist die Kaltfassaden-Technik genutzt. Es muss jedoch vorab geprüft werden, ob die Statik der Wand ausreicht und wie die bestehende Wärmedämmung sicher in das Konzept eingebunden werden kann.

Ja, auch für Solarfassaden gibt es finanzielle Unterstützung. Sie profitieren von der gesetzlichen Einspeisevergütung für überschüssigen Strom. Zudem bieten die KfW-Bank sowie viele Kommunen und Bundesländer attraktive Förderkredite und Zuschüsse für erneuerbare Energien an.

Senkrechte Solarmodule sind sehr pflegeleicht. Regen wäscht Staub und Schmutz meist von alleine ab, und Schnee bleibt gar nicht erst liegen. Dennoch empfiehlt sich eine regelmäßige Sichtprüfung, um hartnäckige Verschmutzungen an den Rändern frühzeitig zu erkennen.