Aktualisierungsdatum
Autor
Julia Mühlfeld
Lesedauer
9 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Den eigenen Solarstrom zu verkaufen, lohnt sich immer, nachdem der Eigenbedarf im Haus vollständig gedeckt ist.
  • Die klassische Einspeisevergütung bietet finanzielle Sicherheit durch staatlich garantierte Sätze über 20 Jahre.
  • Alternative Modelle wie Direktvermarktung und Strom-Clouds ermöglichen oft deutlich höhere Erlöse.
  • Mit einem modernen Stromspeicher optimieren Sie Ihren Eigenverbrauch und verkaufen nur den tatsächlichen Überschuss.

Warum Sie überschüssigen Solarstrom verkaufen sollten

Ihre Photovoltaikanlage produziert an sonnigen Tagen oft mehr Energie, als Sie im Haushalt verbrauchen. Diesen wertvollen Strom ungenutzt zu lassen, wäre unwirtschaftlich. Wenn Sie Ihren Solarstrom verkaufen, wandeln Sie ungenutzte Energie direkt in Einnahmen um. Das verbessert die Rentabilität der gesamten Solaranlage enorm. Heute stehen Ihnen verschiedene lukrative Möglichkeiten zur Verfügung, diesen Strom gewinnbringend in das öffentliche Netz einzuspeisen oder an Dritte weiterzugeben. So leisten Sie zudem einen wichtigen Beitrag zur regionalen Energiewende.

Die klassische Einspeisevergütung für Photovoltaik

Der einfachste Weg ist die gesetzliche Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Hierbei nimmt der örtliche Netzbetreiber Ihren überschüssigen Strom automatisch ab. Sie erhalten dafür einen festen Betrag pro eingespeister Kilowattstunde, der ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme für 20 Jahre staatlich garantiert wird. Das gibt maximale finanzielle Planungssicherheit. Allerdings klafft heute eine Lücke zwischen den durchschnittlichen Gestehungskosten für Solarstrom, die bei etwa 11 bis 15 Cent pro Kilowattstunde liegen, und der aktuellen EEG-Vergütung von rund 8 Cent. Die reine Volleinspeisung deckt die Produktionskosten somit oft nicht mehr ab. Genau deshalb ist es entscheidend, den Eigenverbrauch zu maximieren und alternative Vermarktungsmodelle in Betracht zu ziehen, um die Anlage wirklich rentabel zu betreiben.

11 bis 15 Cent

durchschnittliche Gestehungskosten für Solarstrom je Kilowattstunde

rund 8 Cent

aktuelle EEG-Vergütung je eingespeister Kilowattstunde

Technische Voraussetzungen: Smart Meter und Co.

Wer seinen Strom abseits der klassischen EEG-Vergütung lukrativ vermarkten möchte, benötigt die passende Messtechnik. Als Grundvoraussetzung hierfür dient ein sogenanntes Intelligentes Messsystem (iMSys), das oft als Smart Meter bezeichnet wird. Es erfasst die Stromflüsse in Echtzeit und übermittelt die Daten sicher an den Netzbetreiber oder Vermarkter. Gesetzlich ist der Einbau eines solchen Smart Meters für Anlagen ab einer Leistung von 7 kWp ohnehin verpflichtend. Ab einer Anlagengröße von 25 kWp greift zusätzlich die Pflicht zur Fernsteuerbarkeit. Diese technischen Standards stellen sicher, dass Ihre Anlage aktiv am Strommarkt teilnehmen und bei Netzüberlastung reguliert werden kann.

Direktvermarktung: Solarstrom an der Börse verkaufen

Möchten Sie höhere Erlöse erzielen, ist die Direktvermarktung ein spannender Weg. Hierbei wird Ihr Strom nicht an den Netzbetreiber, sondern direkt an der Strombörse gehandelt. Ein spezialisierter Dienstleister übernimmt diesen komplexen Prozess komplett für Sie. Bei hohen Strompreisen an der Börse steigen Ihre Einnahmen entsprechend. Dieses Modell lohnt sich besonders für etwas größere Anlagen.

Besonders relevant wird die Direktvermarktung für sogenannte Post-EEG-Anlagen. Wenn die 20-jährige staatliche Förderung ausläuft, entfällt die Abnahmepflicht des Netzbetreibers. Speisen Sie den Strom dann ohne neuen Vertrag ein, drohen rechtliche Konsequenzen durch eine sogenannte "wilde Einspeisung". Die Direktvermarktung, oft gebündelt über virtuelle Kraftwerke, bietet Besitzern von Altanlagen hier eine rechtssichere und profitable Anschlusslösung.

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Strom-Cloud: Gemeinschaftlich Solarstrom verkaufen

Eine moderne Alternative ist die Nutzung einer Strom-Cloud. Hier teilen Sie die erzeugte Energie über eine digitale Plattform mit anderen Nutzern. Sie speisen Ihren Überschuss in ein virtuelles Stromkonto ein. Brauchen Sie im Winter mehr Strom, rufen Sie ihn einfach aus der Cloud ab. Produzieren Sie dauerhaft mehr Energie, übernimmt der Cloud-Anbieter den Verkauf für Sie. So profitieren Sie von der Verhandlungsmacht einer starken Gemeinschaft und lagern den administrativen Aufwand bequem aus.

Mieterstrom: Solarstrom an eigene Mieter verkaufen

Sind Sie Eigentümer eines Mehrfamilienhauses? Dann ist das Mieterstrommodell die ideale Lösung. Sie produzieren den Strom auf dem Dach und liefern ihn direkt an Ihre Mieter im Gebäude. Der Strom fließt dabei nicht durch das öffentliche Netz. Das spart Netzentgelte und staatliche Steuern. Ihre Mieter freuen sich über dauerhaft günstige Stromtarife, während Sie im Gegenzug attraktive Einnahmen generieren. So stärken Sie das Mietverhältnis und machen Ihre Immobilie zukunftssicher.


Eigenverbrauch und Stromspeicher als Basis

Bevor der aktive Verkauf in den Fokus rückt, steht der Eigenverbrauch immer an erster Stelle. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen, müssen Sie nicht teuer beim Energieversorger einkaufen. Ein moderner Stromspeicher ist hierbei die wichtigste Komponente. Er speichert die überschüssige Energie vom Tag für die Nutzung in der Nacht. Auch eine Wärmepumpe oder eine Wallbox erhöhen den Eigenverbrauch sinnvoll. Erst wenn der Speicher voll ist und das Haus versorgt ist, fließt der restliche Solarstrom in den Verkauf. Das ist wirtschaftlich die sinnvollste Strategie.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema Solarstrom verkaufen

Sie können Ihren Strom an den örtlichen Netzbetreiber, an Dienstleister für die Direktvermarktung oder an Cloud-Anbieter verkaufen. Bei Mehrfamilienhäusern ist auch der direkte Verkauf an die eigenen Mieter möglich. Die Wahl hängt von dem gewählten Vermarktungsmodell und der technischen Ausstattung ab.

Der direkte Verkauf an Nachbarn wird durch neue gesetzliche Regelungen zum sogenannten "Energy Sharing" ab Juni 2026 deutlich vereinfacht. Aktuell fallen bei der Nutzung des öffentlichen Netzes für die Durchleitung noch Netzentgelte und Umlagen an, die sich auf etwa 10 bis 15 Cent pro Kilowattstunde belaufen. Da der reguläre Netzstrompreis jedoch bei rund 30 Cent liegt, rechnet sich dieses Modell dennoch für beide Parteien. Sie erzielen höhere Einnahmen als bei der reinen EEG-Einspeisung, und Ihr Nachbar bezieht günstigeren Ökostrom.

Für Betreiber von typischen privaten Photovoltaikanlagen auf dem Einfamilienhaus wurde die Bürokratie stark vereinfacht. In den meisten Fällen müssen Sie heute kein Gewerbe mehr anmelden und zahlen auf die Erträge auch keine Einkommensteuer. Eine kurze Rücksprache mit dem zuständigen Finanzamt bringt hier abschließende Gewissheit.

Die Abrechnung erfolgt über einen intelligenten Stromzähler, den sogenannten Zweirichtungszähler oder ein Smart Meter. Dieses Gerät misst exakt, wie viel Strom Sie aus dem Netz beziehen und wie viel Sie einspeisen. Auf Basis dieser genauen Messdaten überweist der Netzbetreiber oder Dienstleister die entsprechende Vergütung.

Ja, auch bei kleinen Anlagen rechnet sich die Einspeisung. Zwar deckt die reine Vergütung oft nicht die vollen Gestehungskosten, aber die monatlichen Einnahmen summieren sich über 20 Jahre zu einem soliden Betrag. Dieser Ertrag hilft maßgeblich dabei, die Anschaffungskosten der Solaranlage schneller zu refinanzieren.