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Autor
Lea Neu
Lesedauer
10 Minuten

Extensive vs. intensive Dachbegrünung: Welche passt zu Ihrem Dach?

Bei der Planung einer Dachbegrünung wird grundsätzlich zwischen zwei Arten unterschieden. Die Wahl hängt von der Statik Ihres Daches, dem Pflegeaufwand und Ihren persönlichen Wünschen ab.

  • Extensive Begrünung: Dies ist die leichtere und pflegeleichtere Variante. Hier werden robuste und trockenheitsresistente Pflanzen wie Moose, Sukkulenten (Sedum-Arten) und Kräuter verwendet. Die Substratschicht ist dünn, und das Gewicht liegt bei nur etwa 60 bis 150 kg pro Quadratmeter. Diese Art eignet sich perfekt für Garagen, Carports oder Dächer mit begrenzter Traglast. Der Pflegeaufwand beschränkt sich auf eine jährliche Kontrolle.
  • Intensive Begrünung: Diese Variante ähnelt einem richtigen Dachgarten. Hier können Stauden, kleine Sträucher und sogar Bäume gepflanzt werden. Die Substratschicht ist dicker, was zu einem höheren Gewicht von über 200 kg pro Quadratmeter führt. Eine intensive Begrünung erfordert eine sehr stabile Dachkonstruktion und regelmäßige Pflege, ähnlich wie ein normaler Garten.


Spezielle Gründach-Systeme für jeden Bedarf

Auf Basis dieser beiden Grundtypen haben sich spezialisierte Systeme für besondere Anforderungen entwickelt:

  • Leichtdach: Eine spezielle Form der extensiven Begrünung für Dächer mit sehr geringer Traglastreserve, wie sie oft bei Industriehallen oder älteren Garagen vorkommen. Hier wird das Gewicht durch besonders leichte Substrate und Drainagesysteme auf ein Minimum reduziert.
  • Retentionsdach: Dieses System ist darauf ausgelegt, große Mengen an Regenwasser gezielt zurückzuhalten und zeitverzögert abzugeben. Es dient dem Hochwasserschutz in städtischen Gebieten und entlastet die Kanalisation bei Starkregenereignissen.
     

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Gründach schützt die Dachabdichtung vor Witterungseinflüssen, verbessert das Mikroklima und fördert die Artenvielfalt direkt vor Ihrer Haustür
  • Die Kombination aus Gründach und Photovoltaik ist ideal: Die Pflanzen kühlen die Solarmodule, was deren Wirkungsgrad um bis zu 4 % steigern kann.
  • Besonders extensive Begrünungen sind pflegeleicht, leicht und eignen sich daher für viele Dachtypen wie Garagen, Carports oder Flachdächer von Wohnhäusern.
  • Eine sorgfältige Planung der Statik und des Systemaufbaus ist entscheidend, um die zusätzliche Last sicher zu tragen und die Funktionalität zu gewährleisten.
     

Die unschlagbaren Vorteile eines Gründachs für Ihr Zuhause

Eine Dachbegrünung bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die sich positiv auf Ihr Wohlbefinden, Ihren Geldbeutel und die Umwelt auswirken. Sie schützt die Dachabdichtung vor UV-Strahlung, Hagel und extremen Temperaturen, was die Lebensdauer des Daches deutlich verlängert. Gleichzeitig wirkt die Vegetationsschicht als natürliche Dämmung: Im Sommer hält sie die Hitze ab und im Winter die Wärme im Haus. Das senkt Ihre Energiekosten. Zudem verbessert ein Gründach die Luftqualität, bindet Feinstaub und dient als wichtiger Lebensraum für Insekten und Vögel.

Extensives Gründach auf Flachdach eines Neubaus – nachhaltige Dachbegrünung

Solar-Gründach: Wie Photovoltaik und Begrünung sich gegenseitig stärken

Die Kombination aus einem Gründach und einer Photovoltaikanlage ist eine besonders clevere Lösung. Sie nutzen Ihre Dachfläche doppelt und profitieren von Synergieeffekten. Die Pflanzen auf dem Dach verdunsten Wasser und kühlen so die Umgebungstemperatur. Davon profitieren Ihre Solarmodule, denn bei hohen Temperaturen sinkt deren Leistung. Durch den Kühleffekt des Gründachs arbeiten die Module effizienter, was zu einem Mehrertrag von bis zu 4 % führen kann. Der spezielle Aufbau Photovoltaikanlage auf einem Gründach sieht oft vor, dass die Anlage aufgeständert wird, ohne die Dachhaut durchdringen zu müssen. Das Gewicht des Gründach-Aufbaus dient dabei als Ballast und sichert die Anlage gegen Wind.

Planung und Umsetzung: Worauf Sie bei Ihrem Solar-Gründach achten müssen

Eine sorgfältige Planung ist der Schlüssel zum Erfolg. An erster Stelle steht die Prüfung der Statik. Ein Statiker muss bestätigen, dass Ihr Dach die zusätzliche Last der Begrünung, der PV-Anlage sowie von Wasser und Schnee tragen kann. Besonders bei nachträglichen Installationen ist dies unerlässlich. Für eine erste Einschätzung sind typische technische Kennzahlen einer extensiven Begrünung hilfreich:

  • Gewicht (wassergesättigt): ca. 80 – 150 kg/m²
  • Aufbauhöhe: ca. 8 – 15 cm
  • Wasserspeicherkapazität: ca. 20 – 40 l/m²

Weiterhin ist die Wahl des richtigen Systems entscheidend. Der Aufbau muss eine gute Drainage gewährleisten, um Staunässe zu vermeiden. Achten Sie darauf, eine Verschattung Photovoltaik durch die Pflanzen zu vermeiden. Ein regelmäßiger, aber geringer Pflegeaufwand, wie das Entfernen von unerwünschtem Aufwuchs, sichert langfristig den Ertrag Ihrer Anlage.

 

Kosten und Förderungen für Ihr Gründach-Projekt

Die Kosten für ein Gründach variieren je nach Art der Begrünung und Größe der Fläche. Eine extensive Begrünung ist dabei deutlich günstiger als eine intensive. Die gute Nachricht ist, dass viele Städte und Gemeinden die Anlage von Gründächern finanziell fördern, da sie einen positiven Beitrag zum Stadtklima leisten. Diese Förderungen können die Investitionskosten erheblich senken. Informieren Sie sich am besten direkt bei Ihrer zuständigen Baubehörde über lokale Förderprogramme. Auch für die Photovoltaikanlage selbst gibt es attraktive Fördermöglichkeiten, welche die Kosten Photovoltaikanlage senken und die Wirtschaftlichkeit Ihres Projekts weiter steigern.

Bitte beachten Sie, dass die BSH GmbH & Co. KG keine Dachbegrünung anbietet, sondern auf die Planung und Installation der Photovoltaikanlage spezialisiert ist.

 

Häufig gestellte Fragen zum Gründach

Für eine extensive Dachbegrünung eignen sich vor allem anspruchslose und trockenheitsresistente Pflanzen. Dazu gehören verschiedene Sedum-Arten (Fetthenne), Moose, bestimmte Gräser und Kräuter wie Thymian oder Schnittlauch. Diese Pflanzen kommen mit wenig Substrat aus und benötigen kaum Pflege.

Das hängt von der Art der Begrünung ab. Ein extensives Gründach wiegt im wassergesättigten Zustand etwa 60 bis 150 kg/m². Ein intensives Gründach kann über 200 kg/m² wiegen. Die genaue Traglast muss immer von einem Statiker geprüft und freigegeben werden, bevor Sie mit dem Projekt starten.

In vielen Fällen ist für eine extensive Begrünung, insbesondere auf Nebengebäuden wie Garagen, keine Genehmigung erforderlich. Bei größeren Projekten oder in Gebieten mit spezifischen Bebauungsplänen kann jedoch eine Genehmigung nötig sein. Eine Nachfrage beim zuständigen Bauamt schafft Klarheit und beugt Problemen vor.

Ein extensives Solar-Gründach ist sehr pflegeleicht. In den ersten Monaten nach der Pflanzung ist eine gelegentliche Bewässerung sinnvoll. Danach genügt in der Regel ein bis zwei Pflegegänge pro Jahr. Dabei werden unerwünschte Pflanzen entfernt und die Abläufe kontrolliert. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen die Solarmodule nicht verschatten.

Ja, erheblich. Die Vegetationsschicht schützt die Dachabdichtung vor extremen Witterungsbedingungen wie UV-Strahlung, Hagel und starken Temperaturschwankungen. Dies reduziert den Verschleiß des Materials und kann die Lebensdauer der Dachhaut verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Was genau ist ein Gründach? Mehr als nur eine grüne Oase

Ein Gründach ist eine spezielle Form der Dachbegrünung, bei der die oberste Schicht eines Daches gezielt mit Pflanzen bedeckt wird. Es verwandelt eine ungenutzte Fläche in ein kleines, lebendiges Ökosystem. Diese grüne Schicht ist jedoch weit mehr als nur Dekoration; sie ist eine funktionale und nachhaltige Erweiterung Ihres Gebäudes, die auf einem sorgfältig konzipierten Systemaufbau basiert.


Der schichtweise Aufbau eines Gründachs: Funktion im Detail

Damit ein Gründach langfristig funktioniert, Pflanzen gesund wachsen und das Gebäude geschützt bleibt, ist ein mehrschichtiger Aufbau unerlässlich. Jede Lage erfüllt dabei eine spezifische Aufgabe:

  • Wurzelschutzfolie: Die unterste Schicht schützt die Dachabdichtung vor dem Einwachsen von Wurzeln und verhindert so Bauschäden.
  • Schutzvlies: Ein robustes Vlies schützt die Wurzelschutzfolie mechanisch vor Beschädigungen, beispielsweise durch spitze Steine in der darüberliegenden Schicht.
  • Drainageschicht: Diese Schicht leitet überschüssiges Regenwasser sicher zu den Dachabläufen ab. Sie verhindert Staunässe, die den Pflanzenwurzeln schaden würde, und speichert gleichzeitig einen Teil des Wassers für Trockenperioden.
  • Filterschicht: Ein weiteres Vlies trennt die Drainage von der Substratschicht. Es verhindert, dass feine Substratpartikel in die Drainageschicht gespült werden und diese verstopfen.
  • Substratschicht: Anstelle von normaler Gartenerde wird ein spezielles, mineralisches Substrat verwendet. Es ist leicht, strukturstabil und bietet den Pflanzen den nötigen Halt und Nährstoffe.
  • Vegetationsschicht: Die oberste Schicht besteht aus den ausgewählten Pflanzen, die an die extremen Bedingungen auf dem Dach angepasst sind.