Aktualisierungsdatum
Autor
Lea Neu
Lesedauer
10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe, auch Grundwasserwärmepumpe genannt, ist das effizienteste Heizsystem unter den Wärmepumpen und erreicht die höchsten Jahresarbeitszahlen (JAZ).
  • Sie nutzt die ganzjährig konstante Temperatur des Grundwassers (ca. 8–12 °C) als Energiequelle, was sie extrem zuverlässig und leistungsstark macht.
  • Die Installation ist komplex und kostenintensiv, da zwei Brunnen gebohrt werden müssen und eine behördliche Genehmigung der Unteren Wasserbehörde erforderlich ist.
  • Trotz hoher Anfangsinvestition amortisiert sich die Anlage durch sehr niedrige Betriebskosten und attraktive staatliche Förderungen oft schneller als andere Systeme.
     

Wie funktioniert eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?

Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe ist ein Meister der Effizienz. Sie entzieht dem Grundwasser Wärme, um Ihr Zuhause zu heizen. Dafür sind zwei Brunnen nötig: ein Saugbrunnen (auch Förderbrunnen) und ein Schluckbrunnen. Über den Saugbrunnen wird Grundwasser zur Wärmepumpe gefördert. Dort überträgt es seine Energie in einem Wärmetauscher auf ein Kältemittel, das schon bei niedrigen Temperaturen verdampft. Ein Kompressor verdichtet anschließend den Dampf, wodurch sich dessen Temperatur stark erhöht. Die so gewonnene Hitze wird an Ihr Heizsystem, zum Beispiel eine Fußbodenheizung, abgegeben. Das abgekühlte Grundwasser wird über den Schluckbrunnen wieder sauber ins Erdreich zurückgeführt. Dieser Kreislauf sorgt für eine kontinuierliche und umweltfreundliche Wärmeversorgung.


Die unschlagbare Effizienz: Wirkungsgrad im Systemvergleich

Der entscheidende Vorteil dieser Technologie liegt in ihrem herausragenden Wirkungsgrad. Da die Temperatur des Grundwassers das ganze Jahr über stabil bleibt, arbeitet die Wärmepumpe konstant unter optimalen Bedingungen. Dies spiegelt sich in der Jahresarbeitszahl (JAZ) wider, die oft Werte von 5,0 und mehr erreicht. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt die Anlage fünf Kilowattstunden Heizwärme.
Um diese Leistung einzuordnen, lohnt der direkte Vergleich mit anderen Wärmepumpenarten. Während eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe eine JAZ von rund 5,0 erzielt, erreicht eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme) Werte um 4,1. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die von schwankenden Außentemperaturen abhängig ist, liegt bei einer JAZ von circa 3,1. Diese hohe Effizienz führt direkt zu den niedrigsten Betriebskosten und macht die Wasser-Wasser-Wärmepumpe zur wirtschaftlichsten Lösung im laufenden Betrieb.

Voraussetzungen für den Betrieb: Passt diese Wärmepumpe zu Ihnen?

Bevor Sie sich für eine Grundwasserwärmepumpe entscheiden, müssen einige wichtige Voraussetzungen geprüft werden. Die wichtigste ist ein ausreichend ergiebiges Grundwasservorkommen auf Ihrem Grundstück in erreichbarer Tiefe. Als Richtwert gilt: Für ein Einfamilienhaus mit 10 kW Heizleistung werden circa 2,5 Kubikmeter Wasser pro Stunde benötigt. Die Bohrtiefe sollte idealerweise 20 Meter nicht überschreiten, um den Stromverbrauch der Förderpumpe gering zu halten.
Zudem muss die Wasserqualität stimmen. Ein zu hoher Eisen- oder Mangangehalt kann zur sogenannten „Verockerung“ führen, bei der sich Ablagerungen in den Brunnen und der Anlage bilden und diese schädigen. Eine Wasseranalyse ist daher unerlässlich. Schließlich benötigen Sie eine wasserrechtliche Genehmigung der zuständigen unteren Wasserbehörde, da Sie in den Grundwasserhaushalt eingreifen. Ihr Fachbetrieb unterstützt Sie bei der Prüfung dieser Punkte und bei der Einholung der Genehmigungen.
 

Die Installation: Von der Brunnenbohrung bis zur Inbetriebnahme

Die Installation einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe ist aufwendiger als bei anderen Systemen. Zuerst muss ein spezialisiertes Bohrunternehmen die beiden Brunnen errichten. Der Abstand zwischen Saug- und Schluckbrunnen muss ausreichend groß sein – in Fließrichtung des Grundwassers mindestens 10 bis 15 Meter, damit sich das kalte und warme Wasser nicht thermisch kurzschließen. Nach der erfolgreichen Bohrung und dem Einbau der Pumpen wird die eigentliche Wärmepumpe im Haus aufgestellt und mit dem Brunnensystem sowie Ihrem Heizkreis verbunden. Aufgrund der Komplexität und der sicherheitsrelevanten Aspekte sollte die gesamte Installation ausschließlich von erfahrenen Fachbetrieben durchgeführt werden, die sowohl die Bohrtechnik als auch die Heizungsinstallation beherrschen.

Kosten einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe: Investition und laufender Betrieb

Die Anfangsinvestition für eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe ist hoch. Die Kosten setzen sich aus drei Hauptblöcken zusammen: der Wärmepumpe selbst, den aufwendigen Brunnenbohrungen und der Installation. Insgesamt sollten Sie mit Kosten zwischen 25.000 und 40.000 Euro rechnen. Beachten Sie, dass für die Genehmigung und Planung oft ein hydrologisches Gutachten erforderlich ist, was einen zusätzlichen Kostenfaktor darstellt.
Allerdings werden diese hohen Anschaffungskosten durch zwei Faktoren abgemildert. Erstens sind die laufenden Betriebskosten dank der hohen Effizienz extrem niedrig. Zweitens gibt es attraktive staatliche Förderungen (BEG), die einen erheblichen Teil der Investitionskosten abdecken können. Lassen Sie sich hierzu am besten von einem Energieberater oder Ihrem Fachbetrieb beraten, um das Maximum an Zuschüssen zu erhalten.
 

Photovoltaikanlage auf einem Ziegeldach

Einsatzbereiche und Synergie mit Photovoltaik

Eine Grundwasserwärmepumpe ist ideal für Neubauten mit Flächenheizungen wie einer Fußbodenheizung. Doch auch in sanierten Altbauten kann sie eine hocheffiziente Lösung sein, sofern die Vorlauftemperaturen des Heizsystems niedrig genug sind. Die konstant hohe Leistung macht sie unabhängig von kalten Außentemperaturen und damit besonders zuverlässig.
Besonders wirtschaftlich wird der Betrieb in Kombination mit einer Solaranlage. Der für den Kompressor und die Pumpe benötigte Strom kann zu großen Teilen durch eigenen Solarstrom gedeckt werden. Das senkt die ohnehin schon niedrigen Betriebskosten weiter und maximiert Ihre Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz.

Vor- und Nachteile der Grundwasserwärmepumpe im Überblick

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst. Eine sorgfältige Abwägung hilft Ihnen dabei, die richtige Heizlösung für Ihr Zuhause zu finden.
 

Vorteile: 

  • Höchster Wirkungsgrad aller Wärmepumpen 
  • sehr niedrige Betriebskosten
  • zuverlässige Wärmequelle
  • kann im Sommer auch zur passiven Kühlung genutzt werden
  • lange Lebensdauer
     

Nachteile: 

  • Hohe Investitions- und Erschließungskosten
  • Genehmigungspflicht (Untere Wasserbehörde)
  • nicht auf jedem Grundstück realisierbar
  • Abhängigkeit von Grundwassermenge und -qualität
     

*Bitte beachten Sie, dass die BSH GmbH & Co. KG keine Wasser-Wasser-Wärmepumpen vertriebt. 

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die Kosten für die Bohrungen sind der größte variable Faktor und hängen stark von der Bohrtiefe und der Bodenbeschaffenheit ab. In der Regel können Sie für beide Brunnen zusammen mit Kosten zwischen 5.000 und 15.000 Euro rechnen. Ein genaues Angebot kann nur ein spezialisiertes Bohrunternehmen nach einer Prüfung vor Ort erstellen.

Ja, das ist einer der großen Vorteile. Über die sogenannte "passive Kühlung" kann das kühle Grundwasser direkt genutzt werden, um über die Fußbodenheizung die Raumtemperatur um einige Grad abzusenken. Dieser Prozess ist äußerst energieeffizient, da der Kompressor der Wärmepumpe dabei ausgeschaltet bleibt.

Die Wartung ist vergleichsweise gering. Es wird empfohlen, einmal jährlich die Filter des Brunnenkreislaufs zu überprüfen und zu reinigen, um eine Verstopfung durch Sedimente oder Mineralien (Verockerung) zu verhindern. Zudem sollte der Fachbetrieb alle paar Jahre eine generelle Inspektion der Anlage durchführen.

Sollte die Wasseranalyse ergeben, dass das Grundwasser zu aggressiv oder mineralhaltig ist, ist der Betrieb einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe leider oft nicht möglich. In manchen Fällen kann ein spezieller Wärmetauscher aus korrosionsbeständigem Material eine Lösung sein, dies erhöht jedoch die Kosten und muss im Einzelfall geprüft werden.

Da die Wärmepumpe in der Regel im Keller oder Hauswirtschaftsraum aufgestellt wird und keine Außeneinheit mit Ventilator benötigt wird, ist sie im Betrieb sehr leise. Die Geräuschentwicklung ist vergleichbar mit der eines modernen Kühlschranks und im Wohnbereich kaum wahrnehmbar.