Aktualisierungsdatum
Autor
Eva Katzenberger
Lesedauer
10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Hybrid-Wärmepumpe kombiniert eine umweltfreundliche Wärmepumpe mit einem zweiten Wärmeerzeuger, meist einer Gas- oder Ölheizung.
  • Dieses System ist ideal für die Modernisierung von Bestandsgebäuden, da es auch bei hohem Wärmebedarf und mit vorhandenen Heizkörpern zuverlässig für Wärme sorgt.
  • Eine intelligente Steuerung wählt automatisch die jeweils günstigste und effizienteste Heizmethode und senkt so Ihre Heizkosten.
  • In Verbindung mit einer Photovoltaikanlage kann die Hybrid-Wärmepumpe den selbst erzeugten Solarstrom nutzen und die Unabhängigkeit vom Netz erhöhen.


     

Was ist eine Hybrid-Wärmepumpe und wie funktioniert sie?

Eine Hybrid-Wärmepumpe, oft auch als Hybridheizung bezeichnet, ist ein Heizsystem, das zwei verschiedene Technologien miteinander verbindet. Die Hauptlast der Wärmeerzeugung, die sogenannte Grundlast, übernimmt eine elektrische Wärmepumpe. Sie nutzt kostenlose Umweltenergie aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Für Spitzenlasten, also an besonders kalten Wintertagen, schaltet sich ein zweiter Wärmeerzeuger hinzu. Meist handelt es sich dabei um eine bereits vorhandene Gas- oder Öl-Brennwertheizung.
Das Herzstück des Systems ist eine intelligente Regelung, auch Hybridmanager genannt. Diese entscheidet vollautomatisch, welche Energiequelle gerade am effizientesten oder kostengünstigsten arbeitet. Die Steuerung überwacht dazu permanent Faktoren wie die Außentemperatur, den aktuellen Wärmebedarf und die Energiepreise. Der Punkt, an dem der zweite Wärmeerzeuger zugeschaltet wird, nennt sich Bivalenzpunkt. Durch diesen sogenannten bivalenten Betrieb läuft die Wärmepumpe immer dann, wenn sie am wirtschaftlichsten ist, und das zweite System springt nur bei Bedarf ein.

 

Die gängigsten Kombinationen einer Hybrid-Wärmepumpe

Die Flexibilität der Hybrid-Wärmepumpe zeigt sich in den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten. Die Wahl hängt oft vom bestehenden Heizsystem und den individuellen Anforderungen ab.

  • Wärmepumpe mit Gas-Brennwertheizung: Dies ist die häufigste und praxiserprobteste Variante. Die Gasheizung dient als zuverlässige Unterstützung an sehr kalten Tagen und sichert die Warmwasserversorgung bei hohem Bedarf.
  • Wärmepumpe mit Ölheizung: Ähnlich wie bei der Gaskombination kann eine bestehende Ölheizung weiter genutzt werden, um Lastspitzen abzudecken. Dies ist eine gute Übergangslösung bei der schrittweisen energetischen Sanierung.
  • Wärmepumpe mit Solarthermie: Hier unterstützt eine Solarthermieanlage die Wärmepumpe bei der Warmwasserbereitung. Diese Kombination erfordert eine sorgfältige Planung und einen passenden Wärmespeicher, um die Effizienz zu gewährleisten, entlastet die Wärmepumpe aber besonders in den sonnenreichen Monaten.

Für wen eignet sich eine Hybrid-Wärmepumpe besonders?

Eine Hybrid-Wärmepumpe ist nicht für jeden Haushalt die beste Lösung, aber in bestimmten Szenarien spielt sie ihre Stärken voll aus. Sie ist insbesondere die Lösung für die Modernisierung von Bestandsgebäuden, die noch nicht den Dämmstandard eines Neubaus erreichen. In solchen Häusern kann eine alleinige Wärmepumpe an eisigen Tagen an ihre Grenzen stoßen oder unwirtschaftlich laufen, da sie hohe Vorlauftemperaturen für die vorhandenen Heizkörper bereitstellen muss.


Genau hier bietet die Hybridlösung die nötige Sicherheit und Effizienz. Der zweite Wärmeerzeuger stellt sicher, dass auch bei tiefsten Außentemperaturen die benötigten hohen Vorlauftemperaturen problemlos erreicht werden. Das bedeutet: In vielen Fällen müssen die bestehenden Heizkörper nicht ausgetauscht werden. Wenn Sie also Ihre alte Gas- oder Ölheizung modernisieren, aber nicht sofort das gesamte Heizverteilsystem erneuern möchten, ist eine Hybrid-Wärmepumpe eine ausgezeichnete Brückentechnologie in eine nachhaltigere Zukunft.
 

Vorteile und Nachteile der Hybridheizung im Überblick

Wie jede Technologie hat auch die Hybrid-Wärmepumpe ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Eine sorgfältige Abwägung hilft Ihnen bei der Entscheidung.
 

Vorteile: Hohe Versorgungssicherheit auch im tiefsten Winter, niedrigere Heizkosten durch die Nutzung von Umweltwärme, Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe, Weiternutzung des bestehenden Heizsystems und der Heizkörper oft möglich, attraktive staatliche Förderungen.
 

Nachteile: Höhere Anschaffungskosten im Vergleich zu einem einzelnen neuen Heizsystem, größerer Platzbedarf durch zwei Wärmeerzeuger, weiterhin eine gewisse Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Gas oder Öl.

Kosten und Förderung für Ihre Hybrid-Wärmepumpe

Die Anschaffungskosten für eine Hybrid-Wärmepumpe sind höher als für eine konventionelle Gasheizung, da zwei Systeme installiert werden. Die genauen Kosten hängen von der Leistung, der gewählten Kombination und dem Installationsaufwand ab. Allerdings wird der Umstieg auf erneuerbare Energien staatlich stark gefördert. Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gibt es attraktive Zuschüsse, die die Investitionskosten erheblich senken können. Wichtig ist dabei: Förderfähig ist nur der regenerative Anlagenteil, also die Wärmepumpe selbst sowie zugehörige Umfeldmaßnahmen. Kompaktgeräte, die beide Technologien in einem Gehäuse vereinen, können von der Förderung ausgeschlossen sein. Langfristig sparen Sie durch den geringeren Verbrauch von Gas oder Öl zudem bei den laufenden Energiekosten. Eine genaue Kalkulation durch einen Fachbetrieb zeigt Ihnen das individuelle Einsparpotenzial auf.

Photovoltaikanlage auf Einfamilienhaus mit Wärmepumpe – nachhaltige Strom- und Heizlösung

Die perfekte Ergänzung: Hybrid-Wärmepumpe mit Photovoltaik

Die Kombination einer Hybrid-Wärmepumpe mit einer eigenen Solaranlage ist der Schlüssel zu maximale Effizienz und Unabhängigkeit. Die PV-Anlage liefert den für den Betrieb der Wärmepumpe benötigten Strom – und das direkt vom eigenen Dach. Das senkt Ihre Stromrechnung drastisch und macht Sie unabhängiger von steigenden Energiepreisen. Ein Energiemanagementsystem sorgt dafür, dass die Wärmepumpe bevorzugt dann läuft, wenn die Sonne scheint und Ihr Solarstrom reichlich und kostenlos zur Verfügung steht. So heizen Sie nicht nur kostengünstig, sondern auch maximal umweltfreundlich.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ja, in den meisten Fällen ist das problemlos möglich. Eine Hybrid-Wärmepumpe ist darauf ausgelegt, bestehende Heizsysteme wie eine Gas- oder Ölheizung zu ergänzen. Ein Fachmann prüft vor Ort die Kompatibilität Ihrer Heizkörper und Leitungen.

Das Einsparpotenzial ist individuell und hängt von Ihrem bisherigen Verbrauch, dem Gebäudezustand und den Energiepreisen ab. Da die Wärmepumpe den Großteil der Heizarbeit übernimmt und dafür kostenlose Umweltenergie nutzt, sind Einsparungen von 30 % und mehr realistisch.

Ja, sie ist deutlich umweltfreundlicher als eine rein fossile Heizung. Sie reduziert den CO2-Ausstoß erheblich, da der Hauptbetrieb über die Wärmepumpe mit Umweltenergie erfolgt. Betreiben Sie die Wärmepumpe zusätzlich mit Solarstrom, heizen Sie über weite Strecken des Jahres klimaneutral.

Ein großer Vorteil der Hybridheizung ist die hohe Ausfallsicherheit. Sollte eine Komponente eine Störung haben, kann der zweite Wärmeerzeuger die Versorgung in der Regel vollständig übernehmen, bis das Problem behoben ist. Sie stehen also nie im Kalten.

Nicht zwingend. Wie im Haupttext beschrieben, ist einer der größten Vorteile der Hybridlösung, dass sie auch mit den höheren Vorlauftemperaturen normaler Heizkörper effizient arbeiten kann. Für eine optimale Leistung sind jedoch Heizkörper mit einer größeren Oberfläche, wie zum Beispiel Niedertemperaturheizkörper oder eine Fußbodenheizung, von Vorteil.