Aktualisierungsdatum
Autor
Julia Mühlfeld
Lesedauer
10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Die passive Nutzung der Sonnenenergie reicht bis in die Antike zurück, während die Geschichte der Photovoltaik 1839 mit der Entdeckung des photovoltaischen Effekts begann. 
  • Die erste funktionierende Silizium-Solarzelle wurde 1954 in den amerikanischen Bell Laboratories entwickelt. 
  • Die Raumfahrt nutzte Solarmodule in den 1950er Jahren als erste Branche für eine zuverlässige Stromversorgung. 
  • In Deutschland ebneten das 1000-Dächer-Programm (1990) und das EEG (2000) den Weg in den Massenmarkt, bis 2012 die Netzparität erreicht wurde. 
  • Heute ist die Kombination aus Photovoltaik und Stromspeicher der Standard für private und gewerbliche Energieautarkie.

Die Entdeckung: Der Beginn der Photovoltaik-Geschichte

Lange bevor die aktive Stromerzeugung begann, nutzten die Menschen die Sonnenenergie bereits in der Antike passiv – beispielsweise durch wärmespeichernde Architektur oder Brennspiegel. Die technologische Geschichte der Photovoltaik hat ihre Wurzeln jedoch im frühen 19. Jahrhundert. Der französische Physiker André-Marie Ampère machte erste Beobachtungen zur Stromerzeugung durch Sonnenlicht. Seine Ergebnisse führten jedoch noch nicht zu praktischen Anwendungen. 

Der eigentliche Durchbruch gelang Alexandre Edmond Becquerel im Jahr 1839. Er experimentierte mit elektrolytischen Zellen und Silberhalogeniden. Dabei stellte er fest, dass bei Lichteinfall eine elektrische Spannung entsteht. Dieser sogenannte photovoltaische Effekt legte den Grundstein für die gesamte Solartechnologie. Damals war der erzeugte Strom jedoch noch viel zu schwach für eine echte Nutzung.

 

Die erste Solarzelle der Welt

Ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschichte der Photovoltaik folgte Ende des 19. Jahrhunderts. Die britischen Wissenschaftler William Grylls Adams und Richard Evans Day entdeckten 1873 den inneren photoelektrischen Effekt in festen Stoffen. Zehn Jahre später baute der Amerikaner Charles Fritts die erste echte Solarzelle. Er nutzte dafür das Halbleitermaterial Selen und überzog es mit einer extrem dünnen Goldschicht. Der Wirkungsgrad lag bei unter einem Prozent. Dennoch bewies Fritts, dass man Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom umwandeln kann. Albert Einstein lieferte 1905 die theoretische Erklärung für diesen Effekt, wofür er später den Nobelpreis erhielt.

 

Ein Meilenstein in der Geschichte der Photovoltaik: Das Silizium

Der wahre technologische Durchbruch gelang im Jahr 1954 auf Basis der modernen Halbleiterphysik. Der Physiker William B. Shockley hatte mit seinen Arbeiten zum sogenannten pn-Übergang die theoretischen Grundlagen dafür geschaffen. Darauf aufbauend entwickelten Forscher der amerikanischen Bell Laboratories die erste Solarzelle aus Silizium

Silizium ist bis heute das wichtigste Material für moderne Solarmodule. Diese neue Zelle erreichte einen Wirkungsgrad von rund sechs Prozent. Damit war sie erstmals leistungsstark genug, um elektrische Geräte im Alltag mit Sonnenenergie zu betreiben. Die moderne Photovoltaik war geboren. Die Herstellung war zu dieser Zeit allerdings noch extrem teuer – die damaligen Modulpreise lagen etwa um den Faktor 1000 höher als bei heutigen Anlagen.

 

Photovoltaik erobert den Weltraum

Wegen dieser enormen Kosten fand die erste große praktische Anwendung im Weltraum statt. Die NASA stattete 1958 den Satelliten Vanguard 1 mit kleinen Solarmodulen aus. Die Technologie bewährte sich hervorragend im harten Einsatz und lieferte zuverlässig sauberen Strom fernab der Erde. Diese Erfolge in der Raumfahrt trieben die Forschung massiv an. Die hohen Budgets der Raumfahrtbehörden ermöglichten es, die Effizienz der Solarzellen kontinuierlich zu steigern und die Lebensdauer zu verlängern. Die Raumfahrt zeigte der Welt das enorme Potenzial der Sonnenenergie.

 

Die Ölkrise als Motor für irdische Sonnenenergie

In den 1970er Jahren veränderte die globale Ölkrise das Denken der Menschen. Fossile Brennstoffe wurden plötzlich knapp und teuer. Die Welt suchte dringend nach alternativen Energiequellen. Regierungen und Unternehmen investierten nun stark in die Erforschung erneuerbarer Energien. Die Geschichte der Photovoltaik nahm dadurch richtig Fahrt auf. Die Massenproduktion begann langsam, und die Kosten für Solarmodule sanken spürbar. Erste netzgebundene Photovoltaikanlagen entstanden auf der Erde und versorgten Gebäude mit Strom.

 

Der Durchbruch der Solarmodule in Deutschland

Ein entscheidendes Kapitel in der Geschichte der Photovoltaik schrieb Deutschland. Das gesellschaftliche Umdenken in den 1980er Jahren, maßgeblich beschleunigt durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, forderte neue energiepolitische Wege. 

Den Anfang machte 1990 das 1000-Dächer-Programm, gefolgt vom Stromeinspeisegesetz im Jahr 1991. Diese wichtigen Vorläufer bereiteten den Boden für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000. Die staatlich garantierte Einspeisevergütung löste einen weltweiten Boom aus. Durch die massenhafte Produktion fielen die Preise für PV-Module drastisch. 

Ein historischer Kipppunkt wurde in Deutschland um das Jahr 2012 erreicht: die sogenannte Netzparität (Grid Parity). Seitdem ist der selbst erzeugte Solarstrom vom eigenen Dach günstiger als der Strombezug aus dem öffentlichen Netz. Die Energiewende nahm damit konkrete, wirtschaftlich tragfähige Formen an.

 

Die moderne Photovoltaik: Stromspeicher und Autarkie

Heute stehen wir in einer neuen Phase der Energiewende. Moderne Solarzellen erreichen Wirkungsgrade von über 22 Prozent. Doch die Geschichte der Photovoltaik ist noch nicht zu Ende. Der Fokus liegt heute auf der maximalen Unabhängigkeit. 

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Die Zukunft der Photovoltaik: Neue Technologien

Die Forschung steht niemals still. Die Zukunft der Photovoltaik verspricht noch effizientere Technologien. Sogenannte Perowskit-Solarzellen und Tandem-Zellen stehen kurz vor dem Marktdurchbruch. Sie kombinieren verschiedene Materialien, um ein noch breiteres Lichtspektrum zu nutzen. Dadurch sind Wirkungsgrade von über 30 Prozent möglich.

 Auch gebäudeintegrierte Photovoltaik wird immer wichtiger. Dabei ersetzen Solarmodule klassische Bauteile wie Dachziegel oder Fassadenelemente. Die Sonnenenergie wird somit ein unsichtbarer, aber unverzichtbarer Teil unseres Alltags


 

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte von Photovoltaik

Die Geschichte der Photovoltaik begann 1839 mit dem französischen Physiker Alexandre Edmond Becquerel. Er entdeckte den photovoltaischen Effekt bei Experimenten mit elektrolytischen Zellen. Die erste funktionierende Silizium-Solarzelle wurde jedoch erst 1954 in den Bell Laboratories entwickelt, basierend auf den theoretischen Vorarbeiten von William B. Shockley.

Häufig werden beide Begriffe verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Technologien beschreiben. Während die Photovoltaik Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom umwandelt (photoelektrischer Effekt), nutzt die Solarthermie die Sonnenenergie zur reinen Wärmegewinnung – etwa für die Heizungsunterstützung und Warmwasseraufbereitung. Die Solarthermie ist technologisch älter; erste Patente für solare Wassererwärmer gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts.

Die erste Selen-Solarzelle von 1883 hatte einen Wirkungsgrad von unter einem Prozent. Die erste Silizium-Zelle von 1954 erreichte etwa sechs Prozent. Heute liegen moderne, handelsübliche Solarmodule bei einem Wirkungsgrad von 20 bis 23 Prozent. Neue Technologien in der Forschung, wie etwa Tandem-Zellen, erreichen sogar über 30 Prozent.

In den 1950er Jahren waren Solarzellen für den irdischen Gebrauch viel zu teuer – die Preise lagen um den Faktor 1000 höher als heute. Die Raumfahrt benötigte jedoch eine leichte und dauerhafte Energiequelle für Satelliten, bei der die Kosten zweitrangig waren. Die hohen Budgets der Raumfahrtbehörden finanzierten die Forschung und machten die Technologie effizienter und langlebiger.

China ist heute der weltweit größte Produzent von Solarmodulen und führt auch beim Ausbau der Solarenergie. Weitere führende Nationen in der Nutzung und Forschung sind die USA, Deutschland und Japan. Diese Länder treiben die globale Energiewende maßgeblich voran.