Aktualisierungsdatum
Autor
Eva Katzenberger
Lesedauer
10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sole Wasser Wärmepumpe gilt als Königsklasse der Heiztechnologie: Sie nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs und arbeitet dadurch ganzjährig mit höchster Effizienz – unabhängig von Außentemperaturen und Wetter.
  • Die Investitionskosten sind höher als bei anderen Wärmepumpenarten, werden aber durch sehr niedrige Betriebskosten und attraktive staatliche Förderungen ausgeglichen.
  • Die Eignung hängt stark von den geologischen Bedingungen und der Größe Ihres Grundstücks ab, da entweder Tiefenbohrungen oder Flächenkollektoren benötigt werden.
  • In Kombination mit einer Photovoltaikanlage können Sie den für den Betrieb benötigten Strom selbst erzeugen und Ihre Heizkosten auf ein Minimum reduzieren.
     

Wie funktioniert eine Sole-Wasser-Wärmepumpe?

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, oft auch als Erdwärmepumpe bezeichnet, nutzt die im Erdreich gespeicherte Sonnenenergie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung. Das System arbeitet mit einem geschlossenen Kreislauf, in dem eine frostsichere Flüssigkeit, die sogenannte Sole, zirkuliert. Diese Sole nimmt die konstante Wärme aus dem Boden auf, der selbst in kalten Wintern eine stabile Temperatur von etwa 8 bis 12 °C aufweist, und transportiert sie zur Wärmepumpe im Inneren des Gebäudes. Dort wird die gewonnene Wärmeenergie mithilfe eines Kältemittelkreislaufs auf ein höheres Temperaturniveau angehoben. Anschließend wird die Wärme an Ihr Heizsystem, wie zum Beispiel eine Fußbodenheizung, abgegeben. Dieser Prozess ist äußerst effizient, da die Temperatur im Erdreich ganzjährig stabil bleibt.

 

Erdsonde oder Erdkollektor: Welches System passt zu Ihnen?

Um die Erdwärme zu erschließen, gibt es zwei gängige Methoden: Erdsonden und Erdkollektoren. Die Wahl des passenden Systems hängt primär von der Größe und Beschaffenheit Ihres Grundstücks ab.

  • Erdsonden (Tiefenbohrung): Hierbei werden eine oder mehrere Bohrungen senkrecht in die Tiefe getrieben, meist zwischen 40 und 100 Metern, je nach Heizlast und geologischer Beschaffenheit auch tiefer. In diese Bohrlöcher werden Sonden eingelassen, durch die die Sole fließt. Dieses Verfahren ist sehr platzsparend und erzielt eine hohe Effizienz, da in tieferen Erdschichten ganzjährig konstante Temperaturen herrschen. Die Bohrarbeiten sind genehmigungspflichtig und kostenintensiv.
  • Erdkollektoren (Flächenkollektoren): Bei dieser Methode wird ein Rohrsystem ähnlich einer Fußbodenheizung horizontal in etwa 1,5 Metern Tiefe unter der Erdoberfläche verlegt. Die benötigte Fläche ist groß und muss etwa das 1,5- bis 2-fache der zu beheizenden Wohnfläche betragen. Diese Fläche darf anschließend nicht mehr überbaut oder versiegelt werden. Die Installation ist günstiger als eine Tiefenbohrung, erfordert aber ein ausreichend großes Grundstück.

     

Die Effizienz im Blick: JAZ, COP und Wirkungsgrad

Die Effizienz einer Wärmepumpe wird durch verschiedene Kennzahlen beschrieben. Die wichtigste für die Praxis ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie gibt das Verhältnis der über ein Jahr erzeugten Heizwärme zur dafür eingesetzten elektrischen Energie an. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden nutzbare Wärme erzeugt hat. Oft wird auch der COP (Coefficient of Performance) genannt. Dieser Wert misst die Effizienz unter genormten Laborbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt und ist daher gut zum Vergleich von Geräten geeignet, während die JAZ die reale Leistung über alle Jahreszeiten hinweg abbildet. Sole-Wasser-Wärmepumpen erreichen dank der stabilen Wärmequelle Erdreich herausragende Jahresarbeitszahlen von 4 bis 5. Das macht sie zu einer der wirtschaftlichsten und zuverlässigsten Heizlösungen auf dem Markt.

 

Vorteile und Nachteile der Sole-Wasser-Wärmepumpe im Detail

Die Entscheidung für eine Erdwärmepumpe ist eine langfristige Investition. Daher sollten die Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden.

Die entscheidenden Vorteile

  • Höchste Effizienz und minimale Betriebskosten: Im Gegensatz zu Luft-Wasser-Wärmepumpen, deren Effizienz bei Minusgraden sinkt, liefert die Sole-Wasser-Wärmepumpe dank der konstanten Erdtemperaturen auch im kältesten Winter zuverlässig und hocheffizient Wärme. Das Ergebnis sind dauerhaft niedrige Heizkosten.
  • Extreme Langlebigkeit und Wartungsarmut: Die Erdsonden oder -kollektoren sind für eine Lebensdauer von über 50, teils bis zu 100 Jahren ausgelegt. Da sie keine beweglichen Teile haben und im Erdreich geschützt sind, ist dieser Teil des Systems praktisch wartungsfrei. Die Wärmepumpe selbst hat eine Lebensdauer von 20-25 Jahren.
  • Unabhängigkeit und Umweltfreundlichkeit: Sie machen sich komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas und deren Preisentwicklung. In Kombination mit Ökostrom oder einer eigenen PV-Anlage heizen Sie CO2-neutral.
  • Passive Kühlung im Sommer: Ein einzigartiger Vorteil ist die Möglichkeit der "passiven Kühlung". Hierbei wird die kühle Temperatur der Sole genutzt, um die Räume im Sommer um einige Grad abzukühlen. Dies geschieht äußerst energiesparend, da der Kompressor der Wärmepumpe dafür nicht laufen muss.
     

Zu bedenkende Nachteile

  • Hohe Anfangsinvestition: Die Kosten für die Erschließung der Wärmequelle (Bohrung oder Grabarbeiten) machen die Anschaffung teurer als bei anderen Wärmepumpenarten. Attraktive Förderungen können diese Hürde jedoch deutlich senken.
  • Anforderungen an das Grundstück: Nicht jedes Grundstück ist geeignet. Für Tiefenbohrungen sind geologische Prüfungen und Genehmigungen erforderlich, für Flächenkollektoren wird eine ausreichend große, freie Fläche benötigt.
  • Installationsaufwand: Die Erschließungsarbeiten sind aufwändig und stellen einen Eingriff in das Grundstück dar. Die Planung und Durchführung erfordern spezialisierte Fachbetriebe.

Kosten und Förderung für Ihre Erdwärmepumpe

Die Kosten einer Sole-Wasser-Wärmepumpe setzen sich aus dem Gerät selbst und den Kosten für die Erschließung der Wärmequelle zusammen. Die Gesamtinvestition liegt typischerweise zwischen 25.000 und 40.000 Euro. Diese Summe setzt sich im Wesentlichen aus drei Posten zusammen: der Wärmepumpe selbst (ca. 12.000 – 18.000 Euro), den Kosten für die Erschließung der Wärmequelle (Bohrung oder Grabarbeiten) und der fachgerechten Installation. Die gute Nachricht: Der Staat unterstützt den Umstieg auf erneuerbare Energien großzügig. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) können Sie hohe Zuschüsse erhalten, die die Anschaffungskosten deutlich reduzieren. Insbesondere beim Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung winken zusätzliche Boni, die die Investition noch attraktiver machen. Eine genaue Prüfung der aktuellen Förderbedingungen ist daher unerlässlich.

Photovoltaikanlage auf einem neugebauten Haus

Die perfekte Ergänzung: Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Photovoltaik

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe benötigt Strom für den Betrieb des Kompressors. Um Ihre Unabhängigkeit weiter zu steigern und die Betriebskosten gegen Null zu senken, ist die Kombination mit einer eigenen Photovoltaikanlage ideal. Der selbst erzeugte Solarstrom kann direkt für den Antrieb der Wärmepumpe genutzt werden. Mit einem zusätzlichen Stromspeicher stellen Sie sicher, dass auch nachts oder an sonnenarmen Tagen genügend grüne Energie zur Verfügung steht. So heizen Sie nicht nur umweltfreundlich, sondern auch maximal wirtschaftlich. Als Ihr Experte plant und installiert BSH maßgeschneiderte Photovoltaik- und Speichersysteme, die perfekt auf den Betrieb Ihrer neuen Wärmepumpe abgestimmt sind.
 

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Sole-Wasser-Wärmepumpe

Für die Installation von Erdsonden mittels Tiefenbohrung ist in der Regel eine Genehmigung der unteren Wasserbehörde erforderlich, da in tiefere Grundwasserschichten eingegriffen wird. Die genauen Vorschriften können je nach Bundesland variieren. Flächenkollektoren sind meist genehmigungsfrei, müssen aber oft angezeigt werden.

Bevor Sie sich für ein Modell entscheiden, ist eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 unerlässlich. Sie ermittelt exakt, wie viel Heizleistung Ihr Gebäude benötigt. So wird sichergestellt, dass die Wärmepumpe optimal dimensioniert ist – nicht zu groß (unnötig teuer) und nicht zu klein (nicht ausreichend warm). Eine korrekte Dimensionierung ist die Grundlage für einen effizienten und kostensparenden Betrieb.

Ja, ein großer Vorteil von Sole-Wasser-Wärmepumpen ist die Möglichkeit der "passiven Kühlung". Dabei wird die kühle Temperatur der Sole über das Heizsystem genutzt, um die Raumtemperatur im Sommer um einige Grad abzusenken. Dieser Prozess verbraucht nur sehr wenig Strom, da der Kompressor der Wärmepumpe dafür nicht laufen muss.

Hier muss man zwischen den Komponenten unterscheiden. Die Erdsonden oder Erdkollektoren selbst haben eine extrem lange Lebensdauer von 50 bis 100 Jahren, da sie aus robustem Material bestehen und im Erdreich keinen großen Belastungen ausgesetzt sind. Die Wärmepumpe im Gebäude hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 20 bis 25 Jahren und kann bei Bedarf ausgetauscht werden, während die Erdwärmequelle erhalten bleibt.

Grundsätzlich eignet sich die Technologie sowohl für Neubauten als auch für gut sanierte Altbauten. Eine wichtige Voraussetzung ist eine gute Gebäudedämmung und idealerweise eine Niedertemperaturheizung wie eine Fußboden- oder Wandheizung. Je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur des Heizsystems ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe.

Der Platzbedarf hängt vom gewählten System ab. Für Erdsonden benötigen Sie nur eine kleine Fläche von wenigen Quadratmetern für die Bohrarbeiten. Bei Erdkollektoren muss eine freie Gartenfläche zur Verfügung stehen, die etwa das 1,5- bis 2-fache der zu beheizenden Wohnfläche beträgt und nicht durch Gebäude, große Bäume oder eine Versiegelung beeinträchtigt wird.